Minos entfesselt hinterlistiges Labyrinth Chaos

Minos Gameplay Übersicht vom IGN Fan Fest

Minos Review – Hochdeutsch

Minos entfesselt hinterlistiges Labyrinth Chaos - shield-wall.de

Aus bisher unerfindliche Gründe is das Spiel tatsächlich fesselnder, als es den Anschein macht. Zuerst spielt ma einfach so vor sich hin unn plötzlich hängt ma fest unn will es nur noch tödlicher, komplexer unn vor allem hinterlistiger mache.

Bewertung des Redakteurs:
3.5

Wenn wir plötzlich selbst das Labyrinth werden

Das Entwicklerstudio Artificer hat mit Minos ein Roguelite Strategiespiel veröffentlicht, bei dem sich das Testen der Vollversion anfangs selbst wie ein Labyrinth anfühlt. Auf PC via Steam beschützen wir als Minotaurus unser Heiligtum vor Kriegern und Abenteurern, die uns ans Leder wollen.

Doch statt einfach nur stumpf durch Gegnerhorden zu rennen, drehen wir den Spieß komplett um. Wir sind hier nicht die Beute im Labyrinth. Wir SIND das verdammte Labyrinth.

Zwischen Größenwahn, Fallenbau und Schadenfreude

In Minos arbeiten wir uns zum einen als legendärer Minotaurus, zum anderen aber irgendwie auch als Daedalus im Tag Team durch die immer tiefer gehenden Ebenen des Labyrinths. Doch bahnen wir uns den Weg nicht durch die Labyrinthe, vielmehr gestalten und beherrschen wir sie selbst. Wände, Wege und Fallen werden von uns geplant und voller List platziert, um blutrünstige Krieger und wilde Abenteurer aufzuhalten.

Nach einem kurzen Crashkurs dürfen wir uns auf den ersten Ebenen des Labyrinths nach Herzenslust austoben. Anfangs zwar noch mit begrenzten Mitteln, doch mit jeder Ebene sowie gesammelter Erfahrung, Gold und weiteren Ressourcen verbessern wir unterschiedliche Talente, um uns den Weg zu erleichtern und gleichzeitig den Weg unserer Feinde zur persönlichen Hölle zu machen.

Von klassischen Stachelfallen im Boden und riesigen rollenden Kugeln bis hin zu hinterlistigen Konstruktionen, die Gegner mit betörender Musik anlocken, nur um ihnen anschließend gepflegt das Licht auszuknipsen, bietet Minos deutlich mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Wir reißen Wände ein, bauen neue Wege, platzieren Fallen neu und zwingen unsere Gegner genau dorthin, wo wir sie haben wollen. Genau das macht jede Runde so motivierend. Ebene für Ebene arbeiten wir uns tiefer vor und fiebern gleichzeitig dem großen Showdown mit Theseus entgegen.

Während wir immer perfidere Kettenreaktionen erschaffen, erfahren wir gleichzeitig mehr über unsere Herkunft und darüber, weshalb Daedalus die Labyrinthe überhaupt erschaffen hat.

Zusätzlich treffen wir auf immer stärkere Gegnertypen, die nicht mehr blindlings in jede Falle laufen und teilweise sogar unsere Konstruktionen umgehen oder zerstören können. Genau dadurch entwickelt sich das Gameplay nach und nach deutlich taktischer. Wir stopfen nicht einfach wahllos alles mit Fallen voll, sondern planen aktiv, wie wir Gegner lenken, kontrollieren und möglichst kreativ auseinandernehmen.

Und genau diese Mischung aus Strategie, Improvisation und einer fast schon ungesunden Menge Schadenfreude macht Minos überraschend fesselnd.

Entspannter Spielfluss mit überraschend viel Tiefe

So simpel Minos grafisch auf den ersten Blick auch wirken mag, so komplex kann die Steuerung werden, wenn man wirklich alle Möglichkeiten vollständig nutzen möchte. Wer es entspannter angehen will, erledigt allerdings vieles bequem per Mausklick und lehnt sich zurück, während Gegner einer nach dem anderen in die eigenen Todesfallen laufen. Und seien wir ehrlich… Genau dafür sind wir doch eigentlich hier.

Um das Gemetzel noch besser genießen zu können, darf gerne näher herangezoomt werden, damit man die eigenen Fallen Konstruktionen in voller Pracht bewundern kann.

Technisch lief Minos während des Tests stabil. Die Eingaben reagieren sauber, die Platzierung der Fallen funktioniert zuverlässig und auch im allgemeinen Spielfluss gibt es wenig, das negativ auffällt. Gerade bei größeren Gegnergruppen und komplexeren Konstruktionen bleibt das Geschehen angenehm übersichtlich.

Lediglich die Steuerung kann anfangs etwas überladen wirken, bis man sich an die vielen Möglichkeiten und Funktionen gewöhnt hat.

Zwischen düsterem Charme und tödlicher Gemütlichkeit

Auch wenn Minos optisch eher schlicht gehalten wurde, entwickelt das Spiel erstaunlich schnell eine ganz eigene Atmosphäre. Zwischen engen Gängen, schweren Steinwänden und immer brutaler werdenden Fallen entsteht mit jeder Ebene stärker das Gefühl, tatsächlich Herrscher über ein tödliches Labyrinth zu sein.

Besonders dann, wenn die eigenen Kettenreaktionen endlich exakt so funktionieren wie geplant und komplette Gegnergruppen innerhalb weniger Sekunden auseinandergerissen werden, entfaltet das Spiel seinen ganz eigenen Reiz.

Die Soundkulisse unterstützt dieses Gefühl hervorragend. Klirrende Fallen, zerberstende Mauern und die düstere musikalische Untermalung sorgen dafür, dass sich jede Runde angenehm angespannt anfühlt, ohne dauerhaft stressig zu werden.

Die Grafik konzentriert sich dabei bewusst stärker auf Übersicht statt auf technische Spielereien. Gerade dadurch bleibt das Geschehen selbst in chaotischen Situationen gut lesbar. Zoomt man näher heran, entdeckt man trotzdem viele kleine Details, die dem gesamten Gemetzel überraschend viel Charme verleihen.

Was geil ist und was nervt

Während sich der Anfang des Spiels noch etwas gezwungen und schematisch anfühlt, wird mit jeder Ebene deutlicher, wie viele Freiheiten man tatsächlich besitzt, um Wege, Fallen und komplette Todeszonen aus allen Blickwinkeln zu planen und umzusetzen.

Durch das stetige Freischalten neuer Fallen und abwechslungsreiche Umgebungen lockert sich der Spielfluss angenehm auf, wird auf Dauer allerdings etwas eintönig, sobald man einen Großteil der Inhalte gesehen und getestet hat. Danach entwickelt sich Minos eher zu einem perfekten Nebenbei Spiel, mit dem man trotzdem problemlos mehrere Stunden verschwinden lassen kann, obwohl man eigentlich „nur mal kurz“ rein wollte. Klassischer Anfängerfehler.

Auch wenn sofort auffällt, dass die Grafik bewusst einfacher gehalten wurde, fehlen manchmal kleinere Highlights oder stärkere visuelle Effekte, die erfolgreiche Fallen Kombinationen noch befriedigender wirken lassen könnten.

Stärken:

  • eigenständiger Charakter mit viel Charme
  • überraschend starke Story für ein Strategiespiel
  • kreative Fallen und befriedigende Kettenreaktionen

Schwächen:

  • auf Dauer verlieren manche Durchläufe etwas an Frische
  • Steuerung anfangs unnötig komplex
  • grafisch schlicht ohne große Highlights

Für wen lohnt sich der Abstieg ins Labyrinth?

Für alle, die ein Roguelite Strategiespiel für nebenbei suchen, dürfte Minos definitiv interessant sein. Vor allem Spieler, die gerne planen, tüfteln und ihre Gegner lieber mit Hinterlist statt stumpfer Gewalt auseinandernehmen, kommen hier voll auf ihre Kosten.

Durch die vielen Fallen, unterschiedlichen Gegnertypen und die stetig komplexer werdenden Ebenen bleibt das Spiel lange motivierend, auch wenn sich der Ablauf irgendwann spürbar wiederholt.

Besonders Fans von Dungeon Keeper, Orcs Must Die oder klassischen Tower Defense Spielen dürften schnell merken, wie viel Potenzial in diesem etwas anderen Ansatz steckt. Gleichzeitig bleibt Minos angenehm zugänglich, weil man trotz der taktischen Tiefe nie komplett erschlagen wird.

Persönlich wirkt das Spiel fast wie ein Titel, der als mobile Version ebenfalls hervorragend funktionieren könnte. Trotzdem steckt auch auf dem PC genug Charme, Strategie und hinterlistige Kreativität drin, um deutlich länger hängen zu bleiben, als man anfangs erwarten würde.

Weitere Reviews und Eindrücke zu ähnlich hinterhältigen Spielen warten bereits an anderer Stelle.

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